Preise sind mehr als nur Zahlen auf Etiketten. Sie sind strategische Werkzeuge, die darüber entscheiden, wie Kund*innen ein Sortiment wahrnehmen, welche Produkte sie kaufen und wie ein Unternehmen im Wettbewerb positioniert ist. In einer Zeit schwankender Beschaffungskosten und wachsender Preissensibilität wird die bewusste Gestaltung von Preisstrukturen zu einem zentralen Erfolgsfaktor.
Preisstrategie als integraler Bestandteil der Sortimentsgestaltung
Eine durchdachte Preisstrategie geht weit über die Kalkulation von Einzelpreisen hinaus. Sie definiert, wie Produkte innerhalb eines Sortiments preislich zueinander stehen sollen und welche Botschaften diese Struktur an die Zielgruppe sendet. Während viele Unternehmen Preise primär kostenbasiert festlegen, berücksichtigen erfolgreiche Händler*innen auch psychologische und strategische Aspekte.
Die Herausforderung liegt darin, drei Dimensionen in Einklang zu bringen: wirtschaftliche Rentabilität, Kundenwahrnehmung und Wettbewerbsfähigkeit. Ein Einstiegssortiment kann beispielsweise bewusst mit geringeren Margen kalkuliert werden, um Kaufschwellen zu senken und Frequenz zu erzeugen. Premium-Segmente hingegen tragen überproportional zum Deckungsbeitrag bei und stärken gleichzeitig das Profil.
Preissegmente strategisch nutzen
Erfolgreiche Sortimente arbeiten mit klar erkennbaren Preisebenen. Das Einstiegssegment schafft Zugänglichkeit, das Mittelsegment bildet das wirtschaftliche Rückgrat und Premium-Produkte schaffen Differenzierung. Diese Struktur muss jedoch aus Kundensicht nachvollziehbar sein.
Ein praktisches Beispiel: Ein Haushaltswarenhändler strukturiert sein Pfannensortiment in drei Preisebenen. Die Einstiegsmodelle bei 25–35 Euro sprechen preisbewusste Kund*innen an. Das Mittelsegment zwischen 45 und 65 Euro bietet ausgewogene Qualität für die Hauptzielgruppe. Premium-Pfannen ab 80 Euro signalisieren Expertise und bedienen Qualitätsansprüche. Entscheidend ist, dass jedes Segment seinen Wert klar kommuniziert.
Flexibilität in volatilen Zeiten
Moderne Preisstrategien müssen Anpassungsfähigkeit einplanen. Schwankende Rohstoffkosten, Währungsschwankungen oder veränderte Nachfragemuster erfordern flexible Reaktionsmöglichkeiten. Hier bewährt sich ein modularer Ansatz: Statt statischer Preislisten entstehen Preisgefüge, die gezielt angepasst werden können, ohne die Gesamtlogik zu gefährden.
Besonders wichtig wird die Rolle von Ausweichartikeln. Wenn etablierte Produkte durch Kostensteigerungen teurer werden, können alternative Angebote die Preisstabilität im Sortiment gewährleisten. Diese Strategie sichert sowohl die Kundenloyalität als auch die wirtschaftliche Stabilität.
Eine fundierte Preisstrategie ist damit kein nachgelagertes Element der Sortimentsgestaltung, sondern ein zentraler Baustein. Sie verbindet wirtschaftliche Ziele mit Kundenerwartungen und macht Sortimente nicht nur rentabel, sondern auch strategisch wirksam. Der Sortimentsanalyse-Kurs zeigt systematische Methoden auf, wie Preisstrukturen analysiert, entwickelt und nachhaltig implementiert werden können.

